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Nach knapp elf Minuten explodiert der Böögg
11. April 2011 um 20:06 Uhr

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Nach 10 Minuten und 56 Sekunden explodiert der Kopf des Bööggs mit einem lauten knall. Das Zürcher "Wintersymbol" ist tot; der schöne und heisse Sommer kann kommen. Unter dem Motto Gastkanton, war an diesem traditionellen Zürcher Sechseläuten Baselland eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein feierten zehntausende Zuschauer, Zünfte und Ehrengäste das Ende des Winters

Premiere am diesjährigen Sechseläuten

Erstmals am gesamten offiziellen Sechseläuten ist die Frauenzunft „Gesellschaft zu Fraumünster“ bei allen Aktivitäten dabei. Am Zug der Zünfte marschierten sie als zweite Gruppe hinter der Zunft „zum Weggen“. Die Frauenzunft „Gesellschaft zu Fraumünster“ existiert seit 22 Jahren. In der Vergangenheit durften sie aber nur entweder auf einer anderen Route oder eine halbe Stunde vor dem offiziellen Umzug durch die Zürcher Innenstadt ziehen. Allerdings gilt die Einladung von den Zunftmeistern momentan nur für 2011. Im Herbst wollen die Zünfte über das „Schicksal“ der Frauenzunft entscheiden, ob sie weiterhin im offiziellen „Programm“ bleiben dürfen.

Hochkarätige Ehrengäste

Auch dieses Jahr pilgerten viele prominente Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Showbis an das Frühlingsspektakel. Unter den vielen Gästen sind auch zwei amtierende Bundesräte: Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer sowie die Alt Bundesräte Hans-Rudolf Merz und Christoph Blocher. Auch Armeechef André Blattmann, der tschechische Aussenminister Karl zu Schwarzenberg, der Basler Verleger Moritz Suter und SBB- Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi, die Schweizerin des Jahres, Marianne Barthelmy-Kaufmann und Schauspieler Jörg Schneider. Die Ehrengäste der Frauenzunft, Renzo Simoni, Chef der Alptransit Gotthard AG und Susanna Bliggenstorfer, Direktorin der Zürcher Zentralbibliothek liessen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ein Bad in der Menge zu nehmen.

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Die Parade der Zünfte

Rund 3´500 Zünfter in ihren farbenfrohen Kostümen, Trachten und Uniformen, über 350 Reiter, rund 50 ausschliesslich von Pferden gezogene Wagen und gegen 30 Musikkorps ziehen am Sechseläuten-Montag über Bahnhofstrasse und Limmatquai zum Sechseläutenplatz, wo die Verbrennung des Bööggs stattfindet. Der «Zug zum Feuer» ist ein sehenswertes Grossereignis, welches jedes Jahr Zehntausende von Zuschauern in die Stadt Zürich und Hundertausende vor die Fernsehbildschirme lockt

Sechseläuten (zürichdeutsch: Sächsilüüte) ist ein Frühlingsfest in Zürich. Es findet Mitte April statt. Im Mittelpunkt des Festes steht die Figur Böögg, ein künstlicher Schneemann, der den Winter symbolisiert. Der Name rührt daher, weil einst gemäss Ratsbeschluss vom 11. März 1525 nach der Tagundnachtgleiche Ende März die zweitgrösste Glocke des Grossmünsters nun wieder abends um 6 Uhr den für das Sommerhalbjahr gültigen Feierabend verkündete; im Winterhalbjahr war Arbeitsschluss abends um 5 Uhr.
«Hymne» des Anlasses ist der Sechseläutenmarsch.

Zug der Zünfte
Am Montagnachmittag findet der Zug der Gesellschaft zur Constaffel und der anderen 25 Zürcher Zünfte statt. Rund 3500 Zünfter in ihren farbenfrohen Kostümen, Trachten und Uniformen, ihre Ehrengäste, über 350 Reiter, rund 50 ausschliesslich von Pferden gezogene Wagen und gegen 30 Musikkorps ziehen im Kontermarsch durch die Bahnhofstrasse und das Limmatquai zum Sechseläutenplatz beim Bellevue. Die Zugsordnung wird jährlich im November durch die Delegierten des Zentralkomitees der Zünfte Zürich (ZZZ) ausgelost. Die Zünfte zum Weggen, zum Kämbel und Wiedikon stehen dabei auf Grund ihrer grossen Reitergruppen in einem definierten Rotationsmodus an erster respektive letzter Stelle im Zug. Angeführt wird der Zug der Zünfte jeweils von der Stadtpolizei Zürich, dem ZZZ, den Gemeindebannern und des Gastkantons. Zünfter und Ehrengäste werden von den Zuschauern mit Blumen und Küsschen beschenkt.

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Böögg-Verbrennung
Um 18 Uhr wird der Böögg verbrannt, auch wenn die letzten Zünfte meist noch nicht am Festplatz eingetroffen sind. Der Böögg steht auf einem grossen Scheiterhaufen in der Mitte der Grünfläche auf dem Sechseläutenplatz. Die Reitergruppen der Zünfte reiten in der Umzugsreihenfolge drei Mal um das Feuer. Je schneller der mit Feuerwerkskörpern gefüllte Böögg den Kopf verliert, desto schöner soll anschliessend der Sommer werden.Seit einigen Jahren erfreut sich ein weiteres, inoffizielles Element des Festes immer grösserer Beliebtheit: Hunderte von Personen gesellen sich ab ca. 22 Uhr auf die Sechseläutenwiese, holen sich mit Schaufeln etwas Glut aus dem noch immer sehr heissen Holzstapel und braten darüber ihr selbst mitgebrachtes Grillgut. Auch bei kühler Witterung sorgt die Strahlungswärme des Scheiterhaufens für Lagerfeueratmosphäre. Das mehrheitlich jüngere, multikulturelle Publikum kontrastiert dabei mit dem traditionell ablaufenden Fest tagsüber.

Brenndauer des Bööggs – Gastkanton

2011

10 Min. 56 Sek.

Basel-Landschaft

2010

12 Min. 54 Sek.

Nidwalden

2009

12 Min. 55 Sek.

Schaffhausen

2008

26 Min. 01 Sek.

Solothurn

2007

12 Min. 09 Sek.

Zug

2006

10 Min. 28 Sek.

Aargau

2005

17 Min. 52 Sek.

Freiburg

2004

11 Min. 42 Sek.

Graubünden

2003

5 Min. 42 Sek.

Schwyz

2002

12 Min. 24 Sek.

Tessin

2001

26 Min. 23 Sek.

Appenzell Ausserrhoden

2000

16 Min. 45 Sek.

Uri

1999

23 Min. 52 Sek.

Waadt

1998

10 Min. 13 Sek.

Zürich

1997

7 Min. 30 Sek.

Thurgau

1996

8 Min.   ? Sek.

Genf

1995

5 Min. 51 Sek.

Glarus

1994

21 Min. 55 Sek.

Wallis

1993

23 Min. 30 Sek.

Basel-Stadt

1992

10 Min. 13 Sek.

St. Gallen

1991

12 Min. ?? Sek.

Luzern

1990

10 Min. 30 Sek.

 

 

1989

24 Min.  ? Sek.

 

 

1983

24 Min. 20 Sek.

 

 

 

 

 

 

1981

14 Min. 10 Sek.

 

 

 

 

 

 

1974

5 Min.   7 Sek.

 

 

 

 

 

 

1956

4 Min. ? Sek.

 

 

 

 

 

 

Seit 1902 wird der Böögg am heutigen Sechseläutenplatz abgebrannt.

Auszug
Nach dem Nachtessen im Zunft-Lokal findet um ca. 21 Uhr der Auszug statt, bei dem sich die Zünfte gegenseitig besuchen. Da gleichzeitig 26 Zunftauszüge, je mit Musikkorps und mit ihren farbigen Laternen, kreuz und quer durch die Innenstadt unterwegs sind, ist das immer ein farbenfrohes Ereignis.

Platz der Kantone

Begleitend zu den Umzügen stellt sich seit dem Jahr 1991 auf dem Lindenhof, dem auf die Römerzeit zurückgehenden historischen Zentrum der Stadt Zürich, jeweils ein Gastkanton vor. Während mehrerer Tage werden in Zelten regionale Spezialitäten angeboten. Politiker aus dem Gastkanton sind häufig Ehrengäste beim Umzug der Zünfte.

 

Datum
Das Datum des Sechseläutens wurde vom Stadtrat auf den dritten Montag des Monats April festgelegt. Fällt dieser Tag in die Karwoche, so wird das Sechseläuten am zweiten Montag abgehalten. Fällt der dritte Montag im April auf den Ostermontag, so wird das Fest auf den vierten Montag verschoben (Stadtratsbeschluss Nr. 1214 vom 13. Juni 1952).
Im Jahr 2001 wurde folgende Zusatzregelung eingeführt: Fällt der nach den obenstehenden Regeln gefundene Termin in die Frühlingsferien der Volksschule oder in die Woche des 1. Mai, so wird ein Ausweichdatum gesucht.

 

Herkunft des Festes und Brauchtum
Im Zürcher Sechseläuten verbinden sich brauchtümliche Elemente der Fastnacht-Aschermittwoch-Umzug der Metzger; Umzug der Schmidenzunft am Hirsmontag, sechs Wochen vor Ostern).
Zum Zeichen des Frühlings ist in Zürich am ersten Montag, welcher auf die Tagundnachtgleiche folgte, abends um 6 Uhr das erste Mal die Feierabendglocke (die zweitgrösste Glocke) des Grossmünsters geläutet worden, was Anlass für das Frühlingsfest war. Das Verbrennen eines Bööggs vor der Lindenhofmauer am Abhang gegen die Limmat fand schon im 18. Jahrhundert statt. Der Böögg war ursprünglich eine vermummte Schreckgestalt; diese Bezeichnung ist in Zürich schon seit dem 15. Jahrhundert belegt. Bööggen sind Larven tragende oder sonst vermummte Personen, die Kinder erschrecken, Unfug treiben oder bettelnd durch die Strassen ziehen.

Im frühen 19. Jahrhundert verbrannten Buben im Kratzquartier südlich des Fraumünsters Strohpuppen zur Zeit der Tagundnachtgleiche im Frühjahr. Aus dem Sechseläutenfeuer im Kratz, das seit 1868 ein Anwohnerverein organisierte, entwickelte sich die heutige Verbrennung des Bööggs. Auch verschiedene weitere Private verbrannten ihren Böögg, so brachten zum Beispiel 1873 die Zöglinge der Zürcher Blinden- und Taubstummenanstalt eine aus alten Kleidern und Stroh gebastelte und als Dieb bezeichnete Figur vor ihren Direktor und verbrannten sie nach dessen Urteilsspruch am Sechseläutentag.

Im auslaufenden 19. Jahrhunderten spielte sich der Festtag wie folgt ab: «Am Vormittag zogen weissgekleidete Mädchen mit Maibäumen oder Kränzen, an denen ausgeblasene Eier hingen, den Symbolen des siegenden Sommers, herum. Die Mädchen, Mareieli und der Frühlingsfeste (Austreiben des Winters, Märzen- und Osterfeuer, Feier der Tagundnachtgleiche, Maibräuche) mit den Umzügen der Zünfte ( genannt, sangen hierzu ein Mailied, worauf man ihnen aus den Fenstern eine Gabe in einem angezündeten Papierwickel zuwarf. Gleichzeitig versammelten sich die Knaben in den verschiedenen Quartieren, um die den Winter darstellenden Strohpuppen zur Schau durch die Stadt getragen. Punkt sechs Uhr wurden alle Strohpuppen inmitten von Reisighaufen angezündet, ein Moment, der sich zum festlichen Stelldichein sämtlicher Zünfte herausgebildet hat. Die Bürgerschaft versammelte sich auf ihren Zunftstuben zum Festmahle und besuchte sich nach dem Einnachten gegenseitig, wobei Reden meist politischen Inhalts gewechselt werden.»

Umritt 1910
Wurden im 19. Jahrhundert verschiedenste Figuren an verschiedenen Orten „hingerichtet“, kennt das 20. Jahrhundert nurmehr die Vernichtung eines Schneemanns, der den Winter symbolisiert. Seit 1902 wurde der Böögg auf dem Platz der 1897 abgebrochenen alten Tonhalle verbrannt; 1947 benannte der Stadtrat den Tonhalleplatz in Sechseläutenplatz um. Nur ein Mal gelang im 20. Jahrhundert die Verbrennung nicht: 1923 war der Regen zu stark.
Nachdem Frauen im offiziellen Sechseläuten-Umzug mit Ausnahme offiziell geladener Gäste seit 1952 nicht mehr mitmarschieren durften, organisierte die Gesellschaft zu Fraumünster (Frauenzunft) einen eigenen Umzug, der eine halbe Stunde vor dem Zug der Zünfte auf der gleichen Route stattfand. Am Sechseläuten 2011 darf die Frauenzunft erstmals als Gast im offiziellen Zug der Zünfte mit marschieren. Sie werden an zweiter Stelle marschieren, direkt hinter einer der drei Zünfte, die traditionell den Zug anführen. Offiziell gilt diese Einladung der Frauenzunft nur für ein Jahr.

Sabotage

  • 1921 wurde der Böögg frühzeitig von einem Knaben angezündet. Es heisst, dass Kommunisten ihn dazu angestiftet hatten.

  • 2006 wurde der Böögg von der Fertigungstätte in Stäfa entwendet. Der Bööggbauer wurde trotz fahrlässiger Lagerung von Sprengstoff nicht angezeigt. Ein Bekennerschreiben wurde von der Gruppe «1. Mai – Strasse frei» hinterlegt. Am Sechseläuten kam ein Ersatzböögg zum Einsatz, der eigentlich für den Kinderumzug gedacht war. Der originale Böögg tauchte an der Erst-Mai-Feier am Helvetiaplatz wieder auf, verschwand aber wieder. Einen Tag danach, am 2. Mai, wurde er von der Zürcher Kantonspolizei in einem Bunker eines Schulhauses in der Zürcher Innenstadt gefunden und in der Stadtgärtnerei untergebracht. Dort wurde er am 21. Mai zum zweiten Mal entwendet.

Unfälle
1944, als der Böögg wegen der Anbauschlacht im Hafen Enge aufgestellt wurde, kippte er in den Zürichsee.
In den Jahren 1950, 1960, 1993 und 1994 kippte der Böögg vom Holzstapel, ohne dass der Kopf vorher explodiert war. Man warf den Kopf des Bööggs ins offene Feuer, wo dann der Hauptkracher explodierte.
Einmal legte Heinz Wahrenberger dem Böögg eine Fotokamera in den Bauch. Leider war aber das angeblich feuerfeste Gehäuse doch nicht hitzebeständig.

Kinderumzug
Am Sonntag vor dem Sechseläuten findet seit 1862 der Kinderumzug statt. Daran können alle Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren teilnehmen, die eine Tracht oder eine Uniform tragen.

Weitere Sechseläuten
Seit 2004 existiert auch im zürcherischen Bassersdorf ein Sechseläuten.
Der Partneranlass im kleineren Bassersdorf wurde die ersten drei Male illegal durchgeführt.

Quelle: wikipedia.org

Bilder: Peter Schenk

Reportage: Andrea Derungs